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übers 2023 und die Liebe

Aktualisiert: 28. Dez. 2023

Hallo ihr Lieben


Mit dem nahenden Jahresende werfe ich einen Blick zurück auf eine Fülle von Erfahrungen, Weggabelungen und Neuigkeiten, die mich selbst immer wieder erstaunen lassen. Schon zu Beginn des Jahres bekam ich die Botschaft, dass dieses Jahr für mich im Zeichen der Veränderung stehen würde. Und nun, wenn ich zurückblicke...


Gleich Anfangs Januar habe ich mich mit Sehnsucht und Vorfreude für die Ausbildung zur Ritualfachfrau angemeldet. Die Zeit des Zögerns, Abwägen und Grübeln war vorbei. Ein „Traum“, der viele Jahre, nein, Jahrzehnte in mir heranwuchs, reifen musste, sichtbar werden musste. Die Vorstellung, bis im November zu warten mit dem Start der Ausbildung war kaum auszuhalten.


Und da war noch ein anderer Wunsch, der in mir seit Jahren schlummerte: Ich möchte Sterbebegleitungen machen. Nachdem ich unseren lieben Freund nur am Rande begleiten durfte und wir ihn im Mai 22 ziehen lassen mussten, empfand ich eine Art Sog in mir. Ich musste mehr darüber erfahren, mir Wissen und Sicherheit aneignen um besser begleiten und unterstützen können. Doch kann ich das denn als Laie? Ohne medizinische Grundkenntnisse?


Ja, ich kann. Denn wir alle brauchen in der letzten Phase auch - oder vor allem - menschliche Unterstützung, ein offenes Ohr, ein mitfühlendes Herz, eine beruhigende Hand. Wir brauchen Menschen, die keine Angst haben vor dem Sterbeprozess. Die nicht ausweichen, sondern bleiben. So habe ich im April den Lehrgang in Palliative Care SRK abgeschlossen und durfte damit ein Terrain betreten, das von vielen gefürchtet oder zumindest vermieden wird. Die Resonanz in meinem Umfeld war spannend. Einige konnten nicht verstehen, dass ich mich damit beschäftige, andere bewunderten mich für meinen Mut und viele wollten mit dem Thema am besten gar nicht in Berührung kommen. Doch die Angst vor dem Tod schrumpft nicht mit dem Wegsehen, sondern nur mit dem Hinschauen.


Mein persönliches Fazit: Mich hat die Auseinandersetzung mit dem Tod bereichert und inspiriert, öfter etwas zu hinterfragen, Oberflächliches loszulassen, das Leben mehr zu schätzen und neu wahrzunehmen. Erst das Bewusstsein über den Tod macht unser Leben richtig bunt, intensiv und vor allem, es inspiriert, den eigenen Weg zu gehen. Dass man sein eigenes Leben lebt. Nicht das, was andere Leute glauben, was man tun sollte. Welch ein großartiges Geschenk!


Die Frage im Palliative Care Lehrgang, was auf meiner Bucket List stehen müsste, war für mich nicht einfach zu beantworten. Habe ich denn nicht schon alles? Gibt es da nicht noch einen Traum, eine unerfüllte Sehnsucht? Eine große Reise? Ein Abenteuer? Was möchte ich noch erreicht, erlebt, geschafft haben, worauf möchte ich zufrieden zurückblicken können, wenn ich denn auf dem Sterbebett liege?


Nun, meine Liste blieb leer. Mein einzig großer Wunsch auf meiner Liste wäre, dass meine Kinder unbedingt meine bedingungslose Liebe erfahren und sich dieser unerschöpflichen Mutter-Liebe und Verbundenheit immer, immer sicher sind. Dass sie diese Gewissheit haben und diese Liebe auch fühlen. Auch - oder erst recht - wenn sie am anderen Ende der Welt leben und man einander monatelang nicht in die Arme schließen kann. (Link zu unserem Weltenbummler Timo und seiner Partnerin Nikki, die ich sehr vermisst habe übers ganze Jahr hinweg und die ich jetzt in ihrer Reisepause umso mehr geniesse als unsere „Feriengäste“)


Liebe, ohne Wenn und Aber, pur, tief und echt, das durfte ich dann auch am Sterbebett meiner so liebgewonnenen Freundin erfahren. Wenn Kommunikation nur noch über die Augen möglich ist und es gar keine Worte mehr gibt. Nur noch Mit-Gefühl, Präsenz, Berührung und Zeit. Nach jahrelangem Kampf hat sie ihr Schicksal schließlich demütig angenommen und dabei aus ihrem Innersten heraus gestrahlt. Die Liebe war nicht nur spürbar, sie wurde sichtbar…. ich habe vieles gelernt von meiner Freundin. Mein Herz dehnte sich aus und wurde weicher. Eine Erfahrung, die mich verändert hat. Und die mich immer wieder fragen lässt, was ist denn wirklich, wirklich wichtig?


Dann durfte ich meiner sterbenden Mama während vieler Nächte die Hand halten. Sie streicheln, küssen, ihr zuflüstern, sie besingen; weinend, lachend, staunend, ergriffen und zutiefst berührt. Alle alten Muster, Verletzungen, Verstrickungen waren gelöst und eine Mutter-Liebe, wie ich sie nie zuvor habe spüren können, füllte den Raum und mein ganzes Herz. Bedingungslos, warm und durchdringend. Die letzten Tage an ihrem Bett waren für mich die Schönsten, die wir zusammen erleben durften und es war ein unheimlich großes Geschenk für mich, sie so erfüllt mit Dankbarkeit, Annahme und Liebe begleiten zu dürfen.





Zeitgleich kam die erste Anfrage, ob ich die Abschiedsfeier für einen lieben Bekannten machen würde…. oh, noch bevor meine Ausbildung zur Ritualfachfrau begonnen hatte…. Doch ich wollte dem Verstorbenen und seinen Liebsten den Wunsch so gerne erfüllen und JA! - ich habe ich mich gewagt. Dass diese Arbeit auch eigener Schmerz bedeutet, wusste ich von bereits verfassten Texten für meinen geliebten Schwiegervater und unseren Freund, die ich jeweils an den Abschiedsfeiern vorgetragen habe. Nun hatte ich aber nicht nur einen "kleinen Einsatz", nein, ich hatte die Verantwortung für eine ganze Trauerfeier von A bis Z.



So durfte ich meine tief im Keller versteckte Schreibleidenschaft wieder ausbuddeln und zum Leben erwecken. Durfte nach einem persönlichen Gespräch mit der Trauerfamilie in deren Emotionen, deren Trauer, in deren Wahrnehmungen und tief ins Leben des Verstorbenen eintauchen. Und nach den Perlen Ausschau halten. Eine große und wunderschöne Herausforderung, die viel Zeit und Herzblut gefordert hat - und mir Freude bereitete.


Die vielen schönen Rückmeldungen haben mich dann auch ermutigt zu einer weiteren Abschiedsfeier in meinem näheren Umfeld JA zu sagen. Es hat mich ermutigt und bestärkt selbst zu erleben, wie eine harmonische Abschiedsfeier, die dem Verstorbenen gerecht wird und ihn nochmals würdigt, für die Hinterbliebenen tröstend und sehr heilsam sein kann. Das vergangene Leben wohlwollend zu betrachten, den Schmerz der Trauernden zu sehen, das Abschiednehmen und das Loslassen zu unterstützen und sichtbar zu machen.  Mit Symbolen, Musik und heilsamen Worten die Herzen zu berühren, die im Schmerz oder auf der Suche sind. Eine weitere tiefe Erfüllung für die ich dankbar bin.





 

Gleichzeitig war ich weiterhin in meinen schönen Räumlichkeiten fleißig, habe viele Kunden und Kundinnen „verschönert“ und (auch) mit meinen Händen emotional berührt. Es gab viele tiefe und wunderbare Begegnungen und Berührungspunkte mit anderen Menschen. Mein Atelier „Raum für Berührung“ hat eine weitere, tiefere Bedeutung bekommen: Achtsame Berührung mit den Händen kann die Seele berühren, kann heilsam sein, genauso wie achtsame Worte in herausfordernden Zeiten.

 

Es ist ein leiser, doch mächtiger Ruf meines Herzens, dem ich mit meinen Tätigkeiten folgen darf und es fühlt sich alles immer runder, immer stimmiger an.

 

Von ganzem Herzen bedanke ich mich fürs entgegengebrachte Vertrauen, für die liebevollen Worte, die mir während des Abschieds meiner Mama zuteilwurden, für die ermutigenden und anerkennenden Worte bezüglich des neuen Weges. Und auch für jede persönliche Weiterempfehlung von euch: Ein großes Dankeschön!!


Von Herzen wünsche ich euch allen eine schöne, harmonische Zeit und einen bewussten Übergang ins neue Jahr, in einen weiteren spannenden Abschnitt. Ich wünsche euch immer wieder den Blick auf das Wesentliche, Dankbarkeit für das Leben und das Vertrauen, dass immer alles gut ist, wie es ist.  


Dann ist alles in Liebe ♥️

Herzlichst

Daniela

 

 

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